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Quartier Weißensee

Berlin (D), 2016

In der Mitte soll das Leben sein!
Die Auslobungsunterlage des Wettbewerbes in Berlin Weißensee gibt ambitionierte Vorgaben:
So soll auf dem Grundstück ein Ort unterschiedlichster Wohntypen für unterschiedlichste Nutzer und Gesellschaftsschichten entstehen. Soziale Interaktion und Integration stehen im Fokus. Um diese Gedanken noch zu stärken soll die künftige Wohnanlage mit einer Vielzahl von teils selbstorganisierten Gemeinschaftseinrichtungen ausgestattet werden. Diese sollen einen wesentlichen Beitrag zum sozialen Miteinander darstellen.
Um diesem Ansatz gerecht zu werden gruppieren wir eine Wohnanlage rund um eine „kommunikative Mitte“: Eine rechteckige Bebauung umschreibt einen großzügigen Innenhof.  Dieser zentrale Innenhof bildet zukünftig das soziale und kommunikative Herz der Wohnanlage: er ist Aufenthaltsraum, Platz zum Spielen,  Ort der Begegnung, Erschließungszone und dreidimensionales Wegenetz, ist durchzogen mit wohnungsbezogenen Balkonen oder Gärten – ist somit Ort des Austausches und der Interaktion.
Ziel dabei ist, den Traum vom „eigenen Haus mit Garten“ in eine leistbare, urbane und verdichtete Version zu übersetzen. So bewegen sich die Bewohner über dorfstraßenartige Stege (Laubengang) hin zu ihren Wohnungen. Zwischen Laubengang und Wohnung überqueren sie ihren „Vorgarten“ – ein großzügiger vorgelagerter Balkon – bis sie zu ihrem „Haus“ gelangen.  Die Innenliegende Erschließungsstruktur bildet dabei ein baumartiges Netz aus horizontalen und vertikalen Wegeverbindungen.
Insgesamt soll ein Ort mit maximaler Identifikation bei minimaler Isolation und mit höchsten Anspruch an ein Wir-Gefühl entstehen. Denn das „Sozialer Wohnungsbau“ einerseits finanziell Erschwinglich und Günstig sein (um monetär weniger Privilegierten zu unterstützen), gleichzeitig impliziert aber der Begriff „Sozial“ auch ein Bekenntnis zum gesellschaftlichen Miteinander, zur Gemeinschaftlichkeit und Nachbarschaft.

Städtebau
Die Wohnanlage erscheint als Hofbebauung rund um einen grünen Kern. Sie ist vornehmlich dreigeschoßig konzipiert. Lediglich vereinzelte, punktförmige Erhöhungen akzentuieren das Erscheinungsbild.
Damit reagiert die Bebauung zurückhaltend und sensibel auf die nord-westlich gelegenen Einfamilienhäuser (mit geringen Trauf- und Firsthöhen) und die ost- und südlich gelegenen Friedhöfe. Gleichzeitig nimmt das Bauwerk die langgestreckten, für die Umgebung ebenfalls charakteristischen Fassadenlängen der Wohnbauten im süd-westen des Wettbewerbsgebietes auf.
Drei Gebäudeeinschnitte im Norden, Osten und Westen öffnen das Bauwerk zum öffentlichen Raum hin.  Hier finden sich die drei Haupterschließungen mit Lift. Diese sind großzügig ausformuliert und sollen damit auch externe Besucher in das Hofinnere einladen.

Super-Flexibility / Das Gebäudekonzept
Strukturell und konstruktiv besteht das Bauwerk aus einer Abfolge parallel stehender Wohnungstrennwandscheiben. Zwischen diesen Scheiben bilden sich die verschiedenen  Wohnungstypen bzw. Gemeinschaftseinrichtungen ab. Die Scheiben lassen sich beliebig zueinander verschieben bzw. gegeneinander tauschen (Tetrisartig). Somit ist prinzipiell jede Konfiguration von Wohnungen möglich.
Das hier gezeigte Bauwerk stellt daher kein in Stein gemeißeltes, mehr oder weniger fixiertes Gebäude dar. Es ist vielmehr eine Antwort von vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, das Tetrisspiel zusammen zu setzen. Wir halten diese Flexibilität für einen enormen Vorteil hinsichtlich der weiter folgenden Projektentwicklungsphasen.
Neben den abgebildeten/geforderten Wohnungen lassen sich alternative Wohntypen problemlos in das Gesamtkonzept wie z.B. Maisonetten, Atelier-Lofts (Wohnen-Arbeiten) oder „Cluster-Maisonetten“ integrieren (siehe „Wohnungstypen“).
Die hohe Flexibilität des Gesamtbauwerkes spiegelt sich in den Wohnungen wieder. Aufgrund des Backbone-Konzeptes ist lediglich eine zentral liegende Zone definiert, in welcher sich die Nasszonen bewegen sollten. Der Rest der Wohnung ist grundsätzlich frei durch den Käufer/Mieter konfigurierbar. Die stark strukturierten Fensterrhythmen der Fassaden bilden hierfür die Voraussetzung.

Kostengünstiges Bauen
Der Basisbaukörper ist simpel und einfach konzipiert. Die ausschließlich durchgesteckten Wohnungen erlauben dabei relativ tiefe Baukörper mit einem günstigen oberflächen-volumen Verhältnis.
Der gut 13m tiefe Baukörper besteht aus einer Abfolge von Wohnungstrennwandscheiben. Quer zu diesen  Scheiben findet sich ein zentrales Rückgrat (Backbone) welches vornehmlich die Nasszonen beheimatet. Dieses Backbone ist statisch wirksam (Unterzüge, tragende Wandscheiben, Stützen), freie Deckenspannweiten werden dadurch minimiert. Somit wird der Baukörper konstruktiv stark vereinfacht und entsprechend günstig in der Errichtung.
Die Qualität des Bauwerkes wird nicht erstrangig durch seine Fassaden erzeugt. Viel mehr entsteht die Architektur des Gebäudes durch den Hybrid aus Erschließung und privaten Gärten im Zentrum – somit erzeugt ein äußerst kostengünstiges Bauteil (Laubengang) den Charakter der Anlage. Die Fassaden selbst bestehen aus mehrschichtigen vorgefertigten Fertigteilmodulen mit Ortbetonkern (Thermowand), welche sich kostengünstig und rasch realisieren läßt (Minimierung der Bauzeit).
Aufgrund der Laubengangerschließung kann die gesamte Anlage durch lediglich drei Erschließungskerne inkl. Aufzug barrierefrei erschlossen werden. Damit werden kostenintensive Aufzüge eingespart und die damit verbundenen Betriebs- und Wartungskosten vermieden.
Weitere interessante Einsparungspotenziale wären z.B. die Waschmaschinenanschlüsse als „Extra“ mit Aufpreis anzubieten (man hat ja schließlich einen Waschsaloon) oder einige ausgewählte Wohnungen als Edelrohbau anzubieten.

 

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